Stand der chirurgischen Glaukomtherapie
Goldstandard in der chirurgischen Glaukomtherapie sind die gedeckten
fistulierenden Operations-verfahren, d. h. die Trabekulektomie nach
Cairns und die Goniotrepanation nach Fronimopoulos. Daneben haben für
spezielle Indikationen die Trabekulotomie (congenitales Glaukom) und
die Zy-klophotokoagulation (Sekundärglaukom nach Uveitis oder Gefäßverschluß)
ihren festen Platz. In letzter Zeit wurden eine Reihe neuer Methoden
vorgeschlagen:
Endozyklophotokoagulation
Bei der Endozyklophotokoagulation werden die Ziliarkörperfortsätze
unter endoskopischer Sicht koaguliert. Der Zugang erfolgt entweder über
einen cornealen Schnitt oder über die Pars plana. Die gezielte
Koagulation erlaubt eine ,Titration" der Effekte und die Vermeidung
von Kollateralschä-den. Komplikationen wie Fibrinreaktion, Makulaödem
und Aderhautamotio treten ebenso häufig wie bei der transskleralen
Zyklophotokoagulation auf. Die Endozyklophotokoagulation empfiehlt sich
bei gleichzeitigen Hinterabschnittseingriffen mit Sekundärglaukom,
in Kombination mit der Kataraktoperation und bei schwerem, nicht anders
therapierbarem Glaukom.
Tiefe Sklerektomie und Viskokanalostomie
Die tiefe Sklerektomie in Kombination mit einer Viskokanalostomie wird
in letzter Zeit als Alterna-tive zur Trabekulektomie vorgeschlagen.
Ziel der Operation ist es, den Schlemmschen Kanal zu entdachen, die
Descemet freizulegen und ein Kammerwasserreservoir unter einem Skleradeckel
zu schaffen, das Anschluss an die Kammerwasservenen hat. Durch das Einfüllen
eines Viskoelasti-kums sollen der Schlemmsche Kanal und das Trabekelwerk
gedehnt bzw. eröffnet werden. Als Platzhalter wird ein ,Collagen
implant" in das Kammerwasserreservoir eingelegt. Dies allein kostet
soviel wie zwei In traokularlinsen. Langzeitergebnisse stehen noch aus.
Es gibt bislang nur eine be-gutachtete, publizierte Studie (Brit J Ophthalmol
83:6, 1999). Die Erfolgsrate beträgt 80-90% und liegt damit im
Niveau der Trabekulektomie. Ähnliches gilt für die Komplikationsrate:
Wie bei der Trabekulektomie kann es zu einem Hyphäma und einer
Aderhautamotio kommen. Intraoperativ kann bei der Viskokanalostomie
eine Descemetolyse entstehen. Am häufigsten kommt es jedoch zur
Perforation. Bleibt diese unbemerkt, so bilden sich Kammerwinkelsynechierungen
aus. Wird die Perforation bemerkt, so kann der Eingriff in eine gedeckte
fistulierende Operation umgewandelt werden, allerdings mit dem Risiko
einer Hypotonie. Weitere Massnahmen wie Needling (34%), die Gabe von
5FU (30%) und eine Nd/YAG Goniotomie (41%) waren bei den Patienten der
Studie notwendig. Als Indikation werden alle Formen des Offenwinkelglaukoms
angegeben. Zur Zeit lau-fen in Deutschland zwei randomisierte Studien
(Köln, Brandenburg).
YAG-Goniotomie
Hierbei trägt ein Laser das Trabekelwerk ab und eröffnet den
Schlemmschen Kanal von innen. Die häufigste Komplikation, die wir
gesehen haben, ist ein Hyphäma durch Rückfluss von Blut aus
dem Schlemmschen Kanal. Normalerweise resorbiert es sich nach wenigen
Tagen. Wie bei den anderen Verfahren gibt es auch hier noch keine Langzeitergebnisse.
Die bis jetzt vorliegenden Daten sprechen für eine erfolgreiche
Drucksenkung bei ca. 75% der atienten.
Cyclophotokoagulation (CPC)
Der Grüne Star (Glaukom) beruht auf einem zu hohen Augeninnendruck.
Bei bestimmten Formen des Grünen Stars kann eine drucksenkende
Operation mittels eines speziellen Diodenlasers erfol-gen. Mit dem Diodenlaser
wird der Strahlenkörper (Ziliarkörper) des Auges teilweise
verödet und die Kammerwasserproduktion des Auges dadurch gesenkt
(Cyclophotokoagulation). Wenn weniger Kammerwasser produziert wird,
sinkt der Augeninnendruck. Die Cyclophotokoagulation wird in der Augenabteilung
des Klinikums Nord seit 6 Jahren durchgeführt. Die Cyclophotokoagulation
ist eine sehr schonende und schmerzarme Behandlungsmethode und ersetzt
die frühere Kältebehand-lung des Strahlenkörpers (Cyclokryokoagulation).
Um den gewünschten Effekt zu erzielen, muss die Cyclophotokoagulation
allerdings bei einigen Patienten wiederholt werden. Eine schrittweise
Absenkung des Augeninnendruckes durch wiederholte Cyclophotokoagulationen
ist besser als ein zu starker Druckabfall durch eine einmalige zu intensive
Behandlung.
Die Cyclophotokoagulation kann ambulant durchgeführt werden. Wegen
der vor und nach der Cyc-lophotokoagulation erforderlichen engmaschigen
Augeninnendruck-Kontrollen ist jedoch in der Regel die stationäre
Behandlung vorzuziehen